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REFRAKTOR:
SOMBER SERENITY Interview
März 1999
Michael Strohschein (Refraktor)
Aus der Stadt München kommen die vier
Jungs von SOMBER SERENITY und treiben dort seit 1996 ihr Unwesen. Mir
fiel die Band im letzten Jahr durch ihre Split-EP mit GONE SADNESS mit
ihrer düsteren Musik mehr als positiv auf. Sofort knüpfte
ich Kontakt zu Stefan und es folgte ein reger Briefwechsel und so kamen
mir auch noch die beiden Demo Tapes in die Hände, die mich glatt
umhauten. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich SOMBER
SERENITY mit meinen Fragen löcherte, um sie euch etwas genauer
Vorstellen zu können.
Stefan, kannst du mir etwas über die
Besetzung von SOMBER SERENITY erzählen?
Stefan: Seit März 1998 besteht SOMBER SERENITY aus Robert Mutzbauer
(Schlagzeug), Stefan Botz (Gitarre), Daniel Varoß (Gesang,Bass)
und Reiner Benthele (Gitarre), wobei Reiner den im Dezember 1997 ausgestiegenen
Andy Meyer ersetzt.
Sei bitte auch so gut und erzähl uns
doch mal die wichtigsten Punkte aus eurer Bandgeschichte.
Stefan: SOMBER SERENITY wurde im September 1995 gegründet und der
erste Live-Auftritt war dann im März 1996. Unser erstes Demo ("Drowned
in Sorrow") wurde im November 1996 veröffentlicht, und im
August 1997 folgte mit "Swallowed..." das zweite Tape. Seit
dem gab es von uns ein paar Samplerbeiträge (Aberration I, Deathophobia
5....) und im Oktober 1998 kam dann die Split 7" mit GONE SADNESS
heraus.
Kannst du einmal versuchen eure Musik zu beschreiben?
Stefan: Wir versuchen uns in keine Schublabe zwängen zu lassen
und nehmen uns deswegen aus allen "düsteren" Stilrichtungen
was uns gefällt. Die Musik die dabei herauskommt beschreiben wir
(z.B. auf unseren Flyern) als aggressiven und melancholischen Dark-Metal.
Wo liegen die Einflüsse von SOMBER SERENITY,
gibt es da auch Bands die euch indirekt bzw. direkt beeinflussen?
Mutz: Auf der musikalischen Seite hat jeder von uns persönliche
Favoriten durch die die Musik beeinflußt wird. Ich z. B. bevorzuge
Bands wie OPETH, CRADLE OF FILTH, BATHORY, IMMORTAL, ICED EARTH, SAMAEL,
und manche Dark- Wave- Sachen. Stefan hört gerne Bands wie BATHORY,
DARKTHRONE, MARDUK, UNANIMATED, KREATOR, MAIDEN oder RUNNING WILD und
auch Sachen wie GOETHES ERBEN oder THE MERLONS.
Reiner: Ich versuche meine eigenen Lebenseindrücke und -erfahrungen,
meine innere Gefühlswelt in die Musik zu packen. Größere
Einflüsse wären wohl die Natur, Literatur und die Religion,
musikalisch u. a. Klassik und wenn ich Bands nennen müßte
dann z. B.: ANATHEMA, MY DYING BRIDE, OPETH, PINK FLOYD, LED ZEPPELIN,
THE 3rd AND THE MORTAL und Sachen wie TORI AMOS oder DEAD CAN DANCE
ganz stimmungsabhängig , wenn ich überhaupt noch Musik hören
sollte.
Daniel: Ich höre auch sehr wenig Musik, da ich sehr schnell "satt"
werde. Zu meinen Favoriten zähle ich dennoch JEFF WAYNE, JIMMY
WEBB, ANATHEMA, DEPECHE MODE, AT THE GATES, ALBINON, GRIEG und GONE
SADNESS jedoch in keiner bestimmten Reihenfolge.
Es gibt von euch ja die beiden Tapes "Drowned
in Sorrow" und "Swallowed...". Konnten sich die beiden
Tapes trotz des Überangebots an CD`s gut verkaufen lassen? Ich
finde, dass es in den letzten Jahren die Demobands immer schwerer haben,
sich in der Musiklandschaft durchzusetzen, wie seht ihr das?
Stefan: Ja da hast du sicher recht, dass es Demo-Bands in den letzten
Jahren immer schwerer haben. Es gibt einfach wahnsinnig viele Underground-Bands
(was ja für den Fan nicht schlecht ist) und in letzter Zeit gibt
es ja auch immer mehr Mini-Plattenfirmen, die einfach alles unter Vertrag
nehmen, was sie im Moment gerade gut verkaufen können (siehe Black-Metal).
Da die CD-Herstellung auch immer billiger wird, bringen viele Bands
auch gleich einfach eine CD heraus, wobei ich das alte Demo-Tape trotzdem
bevorzuge. Mit unseren Demoverkäufen sind wir eigentlich schon
zufrieden. Von unserem ersten Demo haben wir bis jetzt ca. 170 von 200
Tapes unters Volk gebracht und vom "Swallowed"-Demo waren
es bis zum heutigen Tag 240 von 300.
Nun habt ihr ja gemeinsam mit GONE SADNESS
eine Split EP herausgebracht. Wie kam es dazu, das ist ja heutzutage
auch nicht mehr alltäglich, eine Platte herauszubringen? Seid ihr
noch richtige Vinyl-Liebhaber / Sammler?
Stefan: Ich bin auf jeden Fall ein Vinyl-Liebhaber und ich finde, dass
eine Split-EP-Veröffentlichung der logische nächste Schritt
ist, nachdem man ein paar Demos veröffentlicht hat und auf ein
paar Undergroundsamplern war. Und wenn man Bands wie DESASTER, UNGOD,
GRAVEWORM, DEAD oder IN THE WOODS anschaut, dann ist eine Vinyl-Single-Veröffentlichung
heutzutage wirklich nicht so ungewöhnlich.
Wie kam es überhaupt, dass ihr mit GONE
SADNESS diese Split EP herausgebracht habt? Seid ihr mit der Band befreundet?
Gibt es noch Kontakte zu anderen Bands?
Mutz: Als ich meine Großmutter in der Oberpfalz besuchte bekam
ich von einem Freund aus dieser Gegend eine GONE SADNESS CD in die Hand
gedrückt und er meinte ich solle sie mir doch mal anhören.
Ich war sofort begeistert und nahm sie nach München mit um sie
der Band zu zeigen. Stefan schrieb dann einen Brief an die Band und
so entwickelte sich nach den ersten Konzerten eine Freundschaft und
die Idee entstand eine gemeinsame Split Ep herauszubringen. Ab und zu
besuche ich sie auch "am Arsch der Welt". Der lustigste Kontakt
entstand wohl zu KARKADAN, als mich auf dem WACKEN OPEN AIR ein total
betrunkener Typ ansprach ob ich in einer Band spiele. Nach paar Stunden
später (und einer Flasche Schnaps und Literweise Bier) entschlossen
wir uns ein Konzert zu machen. Aber normalerweise entstehen Kontakte
indem man Bands anschreibt und die Leute fragt ob sie nicht Lust hätten
ein Konzert zu spielen (wie z.B. mit Decay, Violation...).
Woran arbeitet ihr momentan?
Stefan: Als nächstes steht bei uns wieder eine Aufnahme an, bei
der wir zwei neue Songs aufnehmen werden. Diese beiden Songs werden
wir dann auf eine Promo-CD mit drei bis vier älteren Songs (die
teilweise noch nicht veröffentlicht sind) packen und diese werden
dann an ausgesuchte Plattenfirmen verschickt.
Werdet ihr als nächstes eine CD produzieren
oder bleibt ihr dem Tape-Sektor treu?
Stefan: Wir hoffen natürlich, dass wir durch unsere Promo-CD eine
Plattenfirma finden werden, die uns bei einer CD-Veröffentlichung
unterstützt. Aber wenn wir keine finden, werden wir trotzdem als
nächstes eine CD-Veröffentlichung anstreben.
Zurück zu eurer Musik. Versucht ihr mit
eurer Musik etwas beim Hörer zu erreichen, oder schreibt ihr die
Musik in erster Linie für euch?
Daniel: Beides eigentlich. Mir bedeutet es persönlich unheimlich
viel, wenn jemandem ein Song oder ein Text, den ich geschrieben habe,
gefällt. Anderseits würde ich sagen, dass wir nur das machen
was wir wollen. In der Hinsicht spielen wir nur für uns selbst,
denn kommerzielle Aspekte oder halt "wie der Song beim Publikum
ankommt" spielen beim Songwriting keine Rolle. Und wenn letzteres
doch mal beachtet wird, dann um gut rüber zu kommen und auf keinen
Fall um zu verkaufen oder so.
Was bewegt euch dazu, einen Song zu schreiben?
Ist bei euch erst der Text vorhanden, oder erst die Musik?
Daniel: Das kommt ganz darauf an. Für mich ist der Bereich eines
Songs ganz eng gesteckt, und wenn ich einen Song schreibe, gehen Musik
und Text ganz deutlich in eine bestimmte Richtung. Prinzipiell entsteht
aber jeder Song anders bei uns. Zwischen 100% aus einer Feder und völlig
spontan gejammt ist alles dabei.
Um was für Themen geht es in euren Texten?
Daniel: Ich versuche, in jedem Text eine andere Geschichte zu erzählen.
Meistens dreht es sich dabei um einen tragischen Helden irgendeiner
Art, aber nicht immer. Unter den Themen finden sich zum Beispiel Trauer,
Nacht, Einsamkeit Träume, Macht, Schmerz, Untergang, Tod, Reue,
Schönheit, Rache, Sehnsucht und Isolation, in verschiedenen Facetten
und Perspektiven.
Ich höre immer sehr viele lobende Worte
über den Zusammenhalt im "Underground". Welche Meinung
habt ihr zum heutigen Underground?
Stefan: Den Zusammenhalt unter den Bands kann man schon als gut bezeichnen,
wobei es im Underground natürlich auch ein paar schwarze Schafe
gibt, die versuchen andere Bands zu verarschen bzw. auszunützen,
um davon selber zu profitieren (die Besitzer unserer Split 7" wissen,
wer damit gemeint ist). Insgesamt gesehen hat der Underground heutzutage
aber ein großes Problem, denn es gibt einfach für die riesige
Anzahl von Underground-Bands & Zines zu wenige wirklich interessierte
Fans.
Ein wahres Wort!!! Wie sieht es bei SOMBER
SERENITY eigentlich mit Live-Auftritten aus? Habt ihr oft die Möglichkeit
live zu spielen? Wie kommt ihr beim Publikum an?
Mutz: In München und Umgebung bestehen schon Gelegenheiten Konzerte
zu spielen aber wenn man jeden Monat ein Konzert geben würde wären
die Leute sicherlich bald gelangweilt. Deshalb versuchen wir natürlich
Auswärtskonzerte an Land zuziehen was aber gar nicht so einfach
ist. Über Angebote wären wir deshalb sehr froh. Ich denke
solange Benzingeld, Essen und Trinken dabei ist würden wir eigentlich
fast überall spielen. Wie wir beim Publikum ankommen müßtet
Du es am besten selber fragen aber ich denke das wir im allgemeinen
schon gut ankommen aber wie überall gibt es positive und auch negative
Meinungen worüber wir auch sehr froh sind denn allen wollen wir
auch gar nicht gefallen, denn wir machen die Musik in erster Linie ja
für uns. Wenn es anderen dann auch gefällt dann um so besser.
Aber wir würden uns nie in unsere Musik reinreden lassen.
Ihr kommt ja aus München, der Stadt wo
jedes Jahr das Oktoberfest stattfindet. Geht ihr auch zu diesem Ereignis
und trinkt da ein paar Maß und beisst ab und zu in ´ne Salzbrezel?
Stefan: Aufs Oktoberfest gehen wir eigentlich nur, wenn wir irgend woher
Freimarken bekommen, denn auf dieses Treffen von lauter Touristen, voll
krass am Autoscooter rumstehenden Schwörern und Besoffenen haben
wir eigentlich alle keinen großen Bock.
Daniel: Dazu noch am Rande. Als ich das letzte Mal auf dem Oktoberfest
war (eher widerwillig), rief ich von da aus zum ersten Mal beim Stefan
an, um mich als Sänger auf seine Anzeige zu melden.
Wie sieht es in München mit dem Metal-Underground
aus? Gibt es ein paar gute Orte, wo am Wochenende etwas los ist?
Mutz: München ist zwar eine Millionenstadt, aber was den Metalunderground
betrifft wohl eher ein großes Dorf. Wenn wir weggehen fahren wir
lieber raus aus München, weil es ausser 2-3 Kneipen nichts Nennenswertes
gibt. Ich arbeite zwar am Wochenende als DJ in einer Musikkneipe (AMOK)
aber die schließt auch um 1 Uhr so wie eigentlich alles in München
und wer geht schon gerne um diese Zeit nach Hause. Was ich persönlich
empfehlen kann ist die Rockfabrik in Augsburg, das Blackout in Rosenheim,
das U2 in Mindelheim und das Amok in Schwabing. Für Undergroundkonzerte
ist dann das INLINE im Münchner Norden zu empfehlen.
Ist es eigentlich leicht gewesen, in so einer
großen Stadt einen Proberaum zu finden?
Stefan: Wir hatten bei der Proberaum suche eigentlich sehr großes
Glück, da wir von dem Freizeitheim, bei dem wir früher geprobt
haben, an einen Verein verwiesen wurden, der sieben Proberäume
verwaltet und diese total billig vermietet. Insgesamt gesehen gibt es
in München schon ein Problem mit Proberäumen, da es nun mal
nicht jedermanns Sache ist für einen Proberaum 500-600 DM pro Monat
hinzulegen, und die Freizeitheime meistens eine Altersgrenze von max.
21 Jahren Banddurchschnitt haben.
Wie oft probt ihr so im Durchschnitt in der
Woche?
Mutz: Momentan proben wir 2mal die Woche wobei aber jeder von uns auch
ausserhalb der Bandproben viel Zeit in die Band steckt.
Mich interessiert noch, ob ihr außer
Musik noch andere Interessen habt. Erzählt mal!
Stefan: Neben Musik (aktiv & passiv) wäre bei mir eigentlich
nur noch Literatur als Freizeitbeschäftigung zu nennen. Daniel
ist leidenschaftlicher Rollenspieler und spielt nebenbei auch noch in
anderen Bands.
Mutz: Neben der Band und Musik fahre ich liebsten Motorrad und beschäftige
mich mit allem was Räder und einen Motor hat.
Zum Abschluß muß ich euch noch
fragen was für ein Leibgericht jeder von euch hat.
Stefan: Ein bestimmtes Leibgericht habe ich eigentlich nicht, aber am
liebsten gehe ich indisch, chinesisch, italienisch oder griechisch essen.
Daniel: Nun, da ich Vegetarier bin, ist die Auswahl ziemlich beschränkt
aber eventuell Pizza.
Mutz: Am liebsten Whiskey und Pasta.
Reiner: Reden wir über Musik oder Essen.
Ich danke euch für die Antworten, wünsche
euch viel Erfolg in der Zukunft mit SOMBER SERENITY und überlasse
euch die letzten Worte.
Stefan: Wir möchten uns natürlich auch für dieses Interview
bedanken, und wünschen dem REFRAKTOR viel Erfolg.
Refraktor
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