HeavyHardes / 2002 :

Seit 1995 sind Somber Serenity fester Bestandteil der Münchner Metal Szene. Kurz nach der Veröffentlichung der Eigenproduktion "Singular" hat es zum ersten Mal drastische Veränderungen im Line Up gegeben. Die neue Besetzung hat sich kürzlich live dennoch gut geschlagen. Dies und anderes nahm ich zum Anlass um mit Stefan Botz ( Gitarre ) und Robert Mutzbauer ( Drums ) ein paar Worte zu wechseln.

Ihr habt ja seit einiger Zeit eure Eigenproduktion "Singular" draussen. Wie war so die Resonanz seitens der Magazine und Fanzines?

Stefan: "Wir haben bis jetzt um die 20-30 Reviews bekommen. Die einzigen Kritikpunkte die wir bekommen haben, waren, dass die Songs vielleicht etwas zu lang sind, aber ansonsten war die Resonanz sehr gut"

Ich finde, dass "Singular" äusserst homogen klingt, dafür dass ältere und neuere Stücke drauf sind...

Stefan: "Das kommt daher, weil unser Stil nicht so fixiert ist, dass es auffällt wenn ein Lied in eine bestimmte Richtung ausbricht. Wir haben nicht so einen festen Stil wie, sagen wir mal Paradise Lost haben, wo du dir eine Platte anhörst, und jeder Song in eine Richtung geht. Zum Beispiel ein alter Song wie "Swallow the Sun", der ein reiner Riffsong ist, passt trotzdem drauf, weil das riffige aus den neuen Stücken ja nicht komplett rausgefallen ist."

Wobei ich finde, dass gerade "Swallow the Sun" aus dem Rahmen fällt...

Stefan: "Das wurde auch schon ein-zweimal gesagt, einer meinte sogar wir hätten ihn runterlassen sollen, aber insgesamt kommt der Song doch ganz gut an."

Würdet ihr mir zustimmen wenn ich euren Sound in die Richtung Anathema, Opeth, Novembre einordne?

Mutz: "Es ist nicht der Sinn von Somber Serenity uns in eine Schublade zu stecken, die Songs entstehen von sich alleine, obwohl die Vergleiche mit Anathema und Opeth schon ziemlich oft gefallen sind, wobei wir besonders bei Opeth vorsichtig sind, weil die ja um Längen besser sind"

Ich meinte es auch weniger technisch gesehen, sondern vom Charakter, von der Stimmung her, die der Sound transportiert...

Stefan: "Man kann sagen, dass die Zutaten in der Musik ziemlich ähnlich sind. Der Name Novembre ist ja auch schon ein paar mal gefallen, wobei ich sagen muss, ich hab noch nie was von denen gehört"

Jetzt würde mich interessieren warum der Daniel ( Varoß, Ex-Sänger/Gitarrist ) nicht mehr dabei ist, dessen abwechslungsreichen Gesang ich als eine Charakteristik eures Sounds angesehen habe.

Stefan: "Der Hauptgrund war, dass wir zwar recht lange zusammen in einer Band waren, aber eine richtig grosse Freundschaft hat sich eigentlich nie entwickelt, und irgendwann kamen noch ein paar Spannungen dazu. Bei so einem kleinen Level wo wir sind, muss man praktisch gut befreundet sein. Wenn du bei 'ner grossen Band spielst, dann kannst du sagen 'es ist rein beruflich und der Rest ist egal'"

Habt ihr ihn rausgeschmissen, oder ist er gegangen?

Mutz: "Es war im beidseitigen Einverständniss würde ich mal sagen."

Inwiefern wirkt sich der jetzt rauhere Gesang vom Michael ( Knöringer ) auf euer zukünftiges Songwriting aus?

Stefan: "Ich denke mal, dass wir, wie man beim Konzert schon mitbekommen hat, etwas härter werden. Es ist schon so gewesen, dass jetzt besonders die melodiebetonten Sachen dem Daniel seine Schiene war. Es kann sein, dass das nun etwas zurückgeschraubt wird, aber ohne dass wir jetzt gleich eine Black Metal Band werden ...haha"

Das is ja genau die entgegengesetzte Richtung, wie bei den meisten anderen Bands dieses Stils, die mit der Zeit immer ruhiger werden ...

Stefan: "Die Phase hatten wir schon '98, beeinflusst durch unseren damaligen Gitarristen."
Mutz: "...der immer sagte: 'das muss alles noch doomiger werden'. Der hat auch gemeint "The Sufferer" wäre noch zu schnell. Ich weiss zwar nicht wie man den noch langsamer machen kann..."
Stefan: "Wie gesagt, das war halt auch so eine Phase, direkt danach ist "Tragedy Star" entstanden, und den kann man nicht mehr so in die ruhige Ecke stellen."

Bei einem ganz neuen Song, den ihr live gespielt habt, wurde ja eine Flöte eingesetzt. Habt ihr euch überlegt, das als Trademark zu bringen, so wie My Dying Bride die Geige zum Beispiel?

Mutz: "Wir planen jetzt nicht, dass bei jedem Song eine Flöte dabei sein muss. Wenn irgendwo ne Flöte reinpasst, dann versuchen wir die halt einzubauen, aber es muss jetzt nicht bei jedem Song eine Maultrommel oder eine Flöte dabei sein"

Um nochmal auf euren neuen Sänger zurückzukommen. Seid ihr zufrieden mit seiner Leistung?

Stefan: "Schon, er ist sehr enthusiastisch, hängt sich rein"
Mutz: "Was uns auch wichtig war, ist ein Frontman der etwas repräsentieren kann. Der Daniel hat ja Gitarre gespielt, und dazu noch gesungen, und konnte so die Stimmung nie so richtig ans Publikum weitergeben. Da is der Knörri natürlich recht flexibel, weil er nur das Mikro in der Hand hat."

Und was ist diese Jew's Harp, die er laut eurer Homepage noch spielt?

Mutz: "Eine Maultrommel"
Stefan: "Was ganz gemein war: Drei Wochen bevor wir zum ersten Mal die Maultrommel live dabei hatten machen Dead Emotions ein Konzert, und haben ne Maultrommel dabei ..hahaha!"

Wie ist es damals zu dem Konzert mit My Dying Bride und The Gathering gekommen?

Mutz: "Als ich mal von einer Probe heimkam, kam ein Anruf rein 'Hallo, du bist doch der und der' und ob wir Lust haben als Support zu spielen, weil Opeth an dem Abend ausgefallen sind. Da hab ich gemeint 'Ja klar, machen wir'"

Und wie waren die Reaktionen?

Mutz: "Es gab Zugaberufe, das war vom Feling her schon ziemlich gut. Aber als Local Supporter darfst halt nur dein Set runterrattern, mit deinen 30 oder 35 Minuten, und das wars dann."
Stefan: "Ich muss noch dazusagen: Wir sind da als kleine Münchner Underground Band angekommen, und die haben da wirklich komplett alles für uns eingestellt, wir haben kompletten Soundcheck bekommen"

In wessen Verantwortung liegt es eigentlich ob eine kleine Band Soundcheck bekommt? Liegt das in den Händen vom Veranstalter oder von der Hauptband?

Mutz: "Normalerweise ist es so, dass wenn die Hauptband mit dem Soundcheck fertig is und noch genügend Zeit is, die Mischer sagen 'Komm die machen wir auch noch'"

Wie siehts eigentlich so mit eurem Bekanntheitsgrad überregional aus?

Stefan: "Grad bei so Sachen wie das My Dying Bride Konzert, da war danach ein Live Review im Metal Heart und im Hammer, also sollte der Name überregional schon bekannt sein. Wir standen auch schon mit drei Reviews im Ablaze, also vom Namen denk ich schon, dass man uns kennen kann"

Hat beim Ablaze eigentlich eine kleine Underground Band überhaupt Chancen auf nen Sampler zu kommen, oder was kostet das?

Stefan: "Sagen wir mal so, Ablaze ist relativ gut in der Sache ....haha....das muss jetzt mal publik gemacht werden. Es gibt einen grossen Unterschied zwischen zwei Magazinen: Dem Ablaze, und einem anderen bekannten deutschen Mag. Beim Ablaze schaut das so aus, dass Du irgendeinem Schreiber gut gefallen musst, und wenn Du ihm gefällst, dann hast Du die Chance auf ein Interview. Und wenn Du das Interview bekommst, wirst Du gefragt ob Du einen Samplerbeitrag haben willst, der wird Dir verkauft, inklusive einer viertelseitigen Anzeige, und das hat zumindest damals 400 DM gekostet. Das ist also in einem relativ akzeptablen Rahmen. Und bei dem anderen Mag ist das so: Da werden die Bands direkt gefragt, ob sie nicht einen Platz auf ihrem Sampler kaufen wollen, der um einiges mehr kostet wie beim Ablaze. Im Preis ist dann noch ein halbseitiges Interview, und ein Review mit Abdruck Deines Covers inbegriffen ­ also richtig schöner Underground!"

Würdet ihr ein Label wie Nuclear Blast kategorisch ablehnen?

Mutz: "Das haben wir schon oft im Proberaum diskutiert. Ich persönlich wäre von Blast nicht abgeneigt, wobei der Stefan glaub ich nicht so dazu tendiert. Wenn Du auf Blast ne CD rausbringst bringt Dich das natürlich ein gutes Stück weiter vom Bekanntheitsgrad."
Stefan: "Ich muss sagen, dass ich da meine Einstellung geändert habe, weil ich gesehen hab, dass Nuclear Blast eines der korrektesten Labels Deutschlands ist. Die vertreiben unsere CD, und die sind der einzige Mailorder, der vorab gezahlt hat."

Auf meine kritische Bemerkung hin, Nuclear Blast würden sich die ein oder andere Band so formen, wie es ihnen ins Konzept passt reagierten die beiden recht gelassen.

Stefan: "Wenn du dir mal die Destroyer von Gorgoroth anhörst, glaub ich nicht, dass sie gesagt haben 'macht mal eine kommerzielle Platte', das hört sich nicht so an ...haha"
Mutz: "Uns braucht jedenfalls keiner vorschreiben, welchen Sound wir zu machen haben"

Experimenten gegenüber sind sie allerdings nicht gänzlich abgeneigt...

Stefan: "Wir haben mit unserer Musik einen Weg eingeschlagen, den wir noch nicht verlassen haben. Der Weg ist immer breiter geworden, ohne dass in der Mitte eine Lücke entstanden ist. Und das wollen wir in Zukunft gerne so weiterführen, dass viele Einflüsse hinzukommen, ohne den Kern der Sache zu verlieren. Darum gehts eigentlich, egal mit was wir experimentieren, ob das Flöte, Maultrommel oder Loops sind, Hauptsache die Quintessenz stimmt."

Wie kommt eigentlich ein Musiker damit zurecht, wenn jetzt ein riesengrosses Arschloch herkommt, und sagt, dass er Deine Musik geil findet?

Mutz: "Was ist das für eine Frage ...hahaha"
Stefan: "Solange er die CD kauft is es wurscht ..hahahaha"

Ne, das ist eine Frage, die mich wirklich mal brennend interessiert...

Mutz: "Es ist in erster Linie erstmal schön, wenn Leute deine Musik gut finden."
Stefan: "Sobald du mit deiner Musik an die Öffentlichkeit gehst kannst du sowas nicht mehr kontrollieren, das musst du dir halt vorher überlegen. Ich würds halt als wunderschön bezeichnen, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand wirklich was verstanden hat. Aber wenn jetzt einer nebenbei sagt 'ihr seid toll' oder 'gutes Konzert', dann fühl ich mich deswegen nicht beleidigt, weil ich jetzt das Gefühl habe, dass er es nicht wirklich begriffen hat. Du kannst es natürlich auch anders machen: Wenn dir jetzt jemand zusagt, oder intelligente Statements abgibt, musst du den fragen, ob er deine Musik hören will, dann musst du es auf diese Tour machen, wenn du es drauf anlegst nur mit solchen Leuten deine Musik zu teilen."

Ich fände es sehr interessant, wenn mal eine Band ankäme, die qualitativ wirklich was reissen könnte, auch kommerzielles Potential hat, und die dann mit so einer Einstellung ankommen würden. Meistens sind doch die Bands Underground, die durch ihre Fähigkeiten dazu limitiert sind. Sätze wie "Wir geben unsere Musik nur denen, die sie verdienen" hörst du grundsätzlich nur von Musikern die nichts drauf haben....

Stefan: "Welche Band mir dazu einfällt ist Mayhemic Truth. Jetzt, nachdem es die Band nimmer gibt, wurde das Material auf CD veröffentlicht, aber davor haben sie kategorisch gesagt 'keine CD's', die haben nur eine Single rausgebracht und zwei Demos, und diese Sachen gehören zu den besten Black Metal Veröffentlichungen aus Deutschland!"

Wie schauts aus mit euren Plänen für die Zukunft?

Stefan: "Als erstes sind Konzerte angsagt, nicht nur in München, sondern auch auswärts. Ulm, Stuttgart ..Ausserdem spekulieren wir auf ne Mini CD, die wir gegen Herbst dieses Jahres aufnehmen wollen, und wahrscheinlich im Winter veröffentlicht wird."

David

(Anmerkung: aus der Mini CD ist ja wie vielleicht bekannt nur eine Promo CD geworden, aber unser zweites Album wird es schon noch irgendwann geben...)

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